Schwierige Gespräche mit Rheuma-Patient*innen meistern

Ein kleiner Leitfaden für Ärzte und Zuweiser

 

Für Betroffene ist eine Rheuma-Diagnose eine lebensverändernde Nachricht, die sie auf einen neuen Weg voller Herausforderungen und Unsicherheiten führt. Hier im Rheumazentrum Mittelhessen stehen wir vor der ständigen Aufgabe, unsere Patient*innen nicht nur medizinisch zu behandeln, sondern sie auch emotional zu unterstützen und auf ihrem Weg zu begleiten.

 

In diesem Blogbeitrag möchten wir Ihnen bewährte Strategien vorstellen, die Ihnen helfen, schwierige Patientengespräche über komplexe und belastende Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis zu führen. Natürlich verstehen wir, dass es in einem hektischen Arbeitsumfeld häufig schwierig ist, jedem Patienten die nötige Aufmerksamkeit und Unterstützung zu bieten. Dennoch möchten wir Sie ermutigen, auch in begrenzter Zeit die hier vorgestellten Strategien anzuwenden, um das Wohlbefinden und die Zufriedenheit Ihrer Patient*innen zu fördern und die Gespräche möglichst positiv zu steuern.

 

 

  1. Klare, ehrliche Kommunikation: Vermeiden Sie Fachjargon und erklären Sie medizinische Begriffe verständlich. Seien Sie ehrlich über Diagnosen, Prognosen und Behandlungsoptionen, aber vermitteln Sie auch Hoffnung und Unterstützung. Die Kombination aus medizinischer Behandlung und gesundem Lebensstil ermöglicht vielen Betroffenen trotz rheumatischer Erkrankung ein gutes, teilweise sogar schmerzfreies Leben. Wichtig ist jedoch, dass Patienten ihre Lebensgewohnheiten anpassen, um aktiv zur Erreichung einer Remission beizutragen.

 

  1. Zeigen Sie Empathie: Rheuma geht oft mit starken Schmerzen, Einschränkungen und emotionalen Belastungen einher. Zeigen Sie Verständnis für diese physischen und emotionalen Herausforderungen, mit denen Ihre Patienten konfrontiert sind. Eine einfühlsame Kommunikation kann dazu beitragen, das Vertrauen zu stärken und die therapeutische Beziehung zu vertiefen.

 

  1. Zeit für Fragen lassen: Rheuma ist eine komplexe, i.d.R. chronisch verlaufende Erkrankung mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Symptomen. Der langfristige und oft unberechenbare Verlauf der Krankheit kann für Patienten frustrierend und beängstigend sein, da sie nicht wissen, was die Zukunft bringen wird und wie sich ihre Symptome entwickeln. Geben Sie Ihrem Patienten oder Ihrer Patientin ausreichend Gelegenheit, Fragen zu stellen und Unklarheiten zu klären. Eine offene Kommunikation kann Ängste und Unsicherheiten abbauen und dem Patienten helfen, sich besser auf seine Behandlung einzustellen.

 

  1. Unterstützungsangebote machen: Weisen Sie Ihren Patienten auf unterstützende Angebote wie Selbsthilfegruppen, psychologische Unterstützung oder physiotherapeutische Maßnahmen hin, um den Umgang mit den emotionalen Belastungen zu erleichtern. Über die Deutsche Rheuma Liga finden Rheuma-Betroffene Selbsthilfegruppen in ihrer Nähe. Auch die Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew bietet einen »Gruppenfinder« auf ihrer Website an. Zusätzlich kann eine gezielte Ernährungsberatung dabei helfen, eine entzündungshemmende Ernährung zu erlernen und erfolgreich in den Alltag zu integrieren.

 

  1. Gefühle validieren: Angesichts der chronischen Natur von Rheuma ist es wichtig, die emotionalen Reaktionen der Patienten zu validieren. Zeigen Sie Verständnis für ihre Ängste, Frustrationen und Sorgen und ermutigen Sie sie, auch mit Angehörigen offen über ihre Gefühle zu sprechen. Eine einfühlsame Validierung kann Ihrem Patienten helfen, sich verstanden und akzeptiert zu fühlen.

 

  1. Gemeinsame Planung: Bei der Entwicklung eines Behandlungsplans ist es wichtig, die individuellen Bedürfnisse und Ziele des Patienten zu berücksichtigen. Dies kann eine verbesserte Beweglichkeit, Schmerzlinderung, Erhaltung der Lebensqualität, Erhaltung der Arbeitsfähigkeit oder die Reduzierung von Entzündungen sein. Gemeinsam mit dem Patienten kann ein Behandlungsplan entwickelt werden, der nicht nur die medizinische Behandlung, sondern auch Maßnahmen wie Physiotherapie, Ergotherapie, gesunde Ernährung und Stressmanagement umfasst, um die täglichen Herausforderungen zu bewältigen und eine Verbesserung der Lebensqualität zu erreichen. Die Einbeziehung des Patienten in die Entscheidungsfindung kann seine Motivation und Kooperation stärken.

 

  1. Nachsorgen: Bieten Sie Ihren Rheuma-Patienten regelmäßige Nachsorgegespräche an, um ihren Verlauf zu überwachen, Fragen zu beantworten und sicherzustellen, dass sie die benötigte Unterstützung erhalten. Zeigen Sie ihnen, dass Sie auch zwischen den Terminen für sie da sind und sie auf ihrem Weg mit der chronischen Erkrankung begleiten.

 

Die Fähigkeit, schwierige Gespräche mit Patienten über chronisch verlaufende Erkrankungen wie Rheuma zu führen, ist eine wichtige Kompetenz für jede Ärztin und jeden Zuweiser. Durch eine gute Vorbereitung, klare Kommunikation, Empathie und Unterstützung können wir dazu beitragen, dass sich unsere Patient*innen verstanden fühlen und die bestmögliche Versorgung erhalten.